Die Entwicklung der Linienbilder wurde 2021 mit einem Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg gefördert.

Mit Baumwollfaden gestickte Linien durchziehen die Bilder.

Die Linien sind unterschiedlich charakterisiert: filigran, dick, mit Unterbrechungen, sie zerteilen sich in Parallelen, die in dünnen Strängen horizontal nebeneinander fließen, sich im Nichts auflösen, zackig, sich berührend, ruhig, zitternd, krakelig, vibrierend, sich überschneiden, durchkreuzen. Es gibt unlogische Momente, Irritationen. Die meisten Linien erscheinen in weißer Übermalung, an manchen Stellen bilden sie durch Auslassung der Übermalung mit Weiß zarte Farbklänge. Sie schwingen in einem Resonanzfeld zu den anderen Linien und bilden rhythmische Sequenzen. Bei der Bildkomposition wird der leere Raum einbezogen.
Die künstlerische Konzeption erfolgt in mehreren Etappen mit unterschiedlichem Zeitmaß, vergleichbar einer Sonate in 4 Sätzen (Allegro, Largo, Andante, Allegretto).
Allegro: Zuerst wird auf der Rückseite der jeweiligen Leinwand eine spontane, lineare Zeichnung zu Grunde gelegt. Es sind meist landschaftlich inspirierte Linien, die in unterschiedlicher Struktur in Erscheinung treten.
Largo: In einem nächsten Arbeitsschritt dienen die gezeichneten Linien zur Vorlage für Sticklinien. Der Stickvorgang kann ortsunabhängig geschehen. Gestickt wird von der Rückseite mit farbigem Spaltgarn aus 6 Fäden. Die Farbauswahl wird zuvor fein abgestimmt. Diese technische Vorgabe ist ein ruhiges, zeitlich intensives sukzessives, akribisches Vorgehen und steht in Kontrast zu der schnellen Entstehungsweise der ersten Zeichnung.
Andante: In einem weiteren Schritt wird die bestickte Leinwand auf einen Keilrahmen gespannt und grundiert. Alles glättet sich.
Allegretto: Die Dramaturgie der letzten Etappe ist voller Spannung: innerhalb kürzester Zeit werden die gestickten Linien mit weißer Farbe übermalt. Dadurch erfährt die Plastizität der Linie eine Steigerung in ihrer Erscheinung. Die zuvor komponierte Farbigkeit wird durch das Weiß zurückgenommen zugunsten einer stärker sichtbar werdenden Erhabenheit der Linie vom Bildgrund. Vereinzelt bleiben farbige Sequenzen erhalten. Das Besondere an dem letzten entscheidenden Schritt, dem Allegretto, ist die öffentliche Übermalung als Performance mit Livemusik bei der Vernissage. So lässt sich der Entstehungsprozess nachempfinden. Dieser letzte Schritt erfordert eine Radikalität, die stets Überwindung kostet, er ist irreversibel.

                                                                                                 Bettina Roth-Engelhardt

                                                                                                                     

Freies Linienbild 2019, Format: 2,10m x 1,30m, Technik: Baumwollfaden, Acryl auf Leinwand, Foto: Hans-Jürgen-Luderer

Linienbild I 2021, Format: 2,10m x 1,30m, Technik: Baumwollfaden, Acryl auf Leinwand, Foto: Bettina Roth-Engelhardt

Linienbild II 2022, Format: 2,10m x 1,30m, Technik: Baumwollfaden, Acryl auf Leinwand, Foto: Bettina Roth-Engelhardt

Linienbild III 2022, Format: 2,10m x 1,30m, Technik: Baumwollfaden auf Leinwand, Foto: Bettina Roth-Engelhardt

Linienbild Februar 2022, Format: 100cm x 80 cm, Foto: Bettina Roth-Engelhardt

Linienbild März 2022, Format: 70cm x 50cm, Technik: Baumwollfaden, Acryl auf Leinwand, Foto: Bettina Roth-Engelhardt

Linienbild März 2022, Format: 75cm x 60cm, Technik: Baumwollfaden, Acryl auf Leinwand, Foto: Bettina Roth-Engelhardt

Freie Linien

Mai 2023, Format: 100cm x 80cm, Technik: gestickter Baumwollfaden, Acryl auf Leinwand, Foto: Bettina Roth-Engelhardt

 Freie Linien

Juni 2023, Format: 100cm x 80cm, Technik: gestickter Baumwollfaden, Acryl auf Leinwand, Foto: Bettina Roth-Engelhardt

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